Umfragen zu einem Logo im Stil "Wie findet Ihr das?" können zu einer aussagekräftigen Antwort führen, können aber auch paradoxerweise zu dem Gegenteil führen und genau das Logo ausscheiden lassen, welches eigentlich strategisch betrachtet das beste Logo gewesen wäre.

  • Rubrik Logodesign
  • Autor Timm Stülken | STUELKENCOM

Viele glauben, dass eine Mehrheitsentscheidung, wenn es um Fragen des Geschmacks und damit auch mal um ein Logo geht, ein faires Verfahren darstellen. Wie glauben an den demokratischen Prozess. Wir glauben an die Klugheit, das Gespür und Bauchgefühl eines jeden einzelnen. Und wir setzen auf die Annahme, dass eine mehrheitlich von Laien getroffene Entscheidung zu dem gleichen Ergebnis kommt wie die Entscheidung eines Sachverständigen.

Das Problem? Diese Annahme gilt nur unter sehr bestimmten Voraussetzungen, und das bedeutet in der Praxis, dass Umfragen unter Laien im Sinne von "welches Logo gefällt Euch besser?" mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zu einer Entscheidung für die Logotypes sowie mitunter auch für die Designkonzepte führen werden, welche NICHT zu den besten Logos und NICHT zu den besten Designkonzepten und auch NICHT zu den nützlichsten Logo- und Desigkonzepten gehören werden. 

Die Annahme, dass solche Umfragen zur Wahl des besten Logos führen ist also sehr häufig falsch. Sie können sich also Umfragen, welche nicht entsprechend korrekt vorbereitet wurden, im Grunde genommen zumeist sparen.

Ergänzend sei angemerkt, dass bereits der Entwurf alternativer Designkonzepte und Logos übrigens auch nicht zu dem erhofften Nutzen führt, denn wenn das Budget nur für den Designprozess für 1 Logo langt, der Kunde aber darauf pocht, 3 Varianten zu bekommen, liefert man zwangsläufig 3x halbgare Konzepte, weil es für 3 gute Konzepte nicht langt.

Wer zuweilen man gut essen gehen will, weiß um die Problematik: Bevor man in ein Pizza-Döner-Chinesisch-Bistro geht, sollte man sich besser vorher entscheiden, was man gern als Fastfood essen möchte, und dann entscheidet man sich entweder für Paolo oder Ahmet, denn dort stehen dann entweder Italiener oder türkische Köche in der Küche, während im Pizza-Döner-Chinesisch-Bistro am Ende ein Vietnamese für einen Lohn an der Grenze zur Sklaverei irgendetwas zusammenmischt.